Egal wie slow du bist, wir sind in Slowenien

In Slow-motion fahren wir seit über zwei Wochen quer durch Slowenien und es scheint, als wären wir ganz alleine hier. Aus Norditalien machten wir uns auf zum Triglav Nationalpark im Nordwesten Sloweniens. Auf günstigere Spritpreise hoffend trauten wir Herrn Sumsemann zu die 20 km Fahrtstrecke mit 1/4 Tank zu meistern. Der schwerbepackte Kollege erwies sich auf den Serpentinen allerdings durstiger als angenommen. Auf halber Strecke wurden wir langsam skeptisch und erleichterten ihn um um ca. 150 kg Frischwasser- und Abwasser und stöpselten alle möglichen Stromfresser an Bord ab.
Ob uns ein ADAC hier im Niemandsland finden könnte? Und wie würden wir ihn überhaupt ohne einen Hauch von Netz kontaktieren? Doch dann standen wir plötzlich in Bovec. Schon am Ortseingang fanden wir die erste Tankstelle. Was für eine Erleichterung!!

Hier lösten wir dann auch unser zweites Malheur: wir kauften, nachdem unsere Suche nach einem Befüller unserer deutschen Gasflasche in Italien leider erfolglos blieb, eine neue Gasflasche und passende Adapter, die laut Verkäufer eigentlich zum „Standard-Camper-Equipment“ gehören sollten. Na sowas… Anfängerfehler!

In Bovec haben wir einen schönen und ruhigen Platz am Flußufer der Soca gefunden und sind am nächsten Tag durch den Nationalpark gefahren, wo wir uns trotz Regen und frösteliger Temperaturen zu Fuß zur Soca-Quelle aufmachten. Die letzten Meter der Wanderung mussten wir allerdings abbrechen. Als die Passagen nur noch ein Stahlseil zum festhalten und  kleinste Fußtritte boten unter denen eine tiefe Felsenschlucht lag, entschieden wir uns dass das mit Baby auf dem Rücken und ohne Klettersteigausrüstung einen Tacken zu heikel sein dürfte.

Vrsic-PassAm späten Nachmittag riss die Wolkendecke wider erwarten auf und wir entschlossen uns noch am selben Abend über den Vrsic-Pass auf die andere Seite der Jülischen Alpen zu fahren obwohl Herrn Sumsemann die vorgeschriebene Winteraussrüstung fehlte. Was für eine Straße! Was für furchtbar enge, steile Kurven! Was für ein Ausblick! Und dazu noch waren wir ganz alleine. Der komplette Pass gehörte uns. Jedenfalls solange wir nicht in den Rückspiegel schauten.

Den schönen Triglav Nationalpark ließen wir hinter uns, als wir ein paar Tage später Bled erreichten. Für zwei Tage saugten wir dem riesigen und recht hochpreisigem Campingplatz am See das Internet aus, schmissen Waschmaschinen an, aßen zwischen einem und fünf Kilo Nudeln und machten kleine Spaziergänge am See. Dort trafen wir auch einen alten Herren, dem wir für lausige 4 € ein kleines Aquarellgemälde des Sees abkaufen wollten. Er saß dort auf einer Steinmauer am Seeufer und hatte die kleinen Bilder gegenüber in ein Felswand gelehnt. Er lachte und fragte nach dem Namen unseres kleinen Mädchens. Und so schrieb er auf die Rückseite des Bildes mit schwarzer Tusche und feinem Pinsel „Jola“ und gab ihr zusätzlich den Spitznamen „Bobi“. Und statt das Bild dann an uns weiterzugeben, bat er uns still zu halten. Er fing an zu malen.

Vrsic-Pass

Bled

Bled

Abwechselnd schaute er zu jedem von uns und lachte immer wieder aus voller Brust. Er fand wohl, dass er besonders Jola sehr gut getroffen habe. Sein Lachen klang eher ausgefallen und war höchst ansteckend. Am Ende korrigierte er das Familienporträt noch schnell um einen Dutt und drückte uns das Bild mit den Worten „first picture for Jola“ in die Hand. Ein schöner Moment.

Ansonsten haben wir von den Slowenen bisher eher wenig mitbekommen. Als Camper scheint es irgendwie schwieriger den Kontakt zu ihnen zu finden, als es als Rucksackreisender war. Manchmal scherzen wir sogar, dass der Bus unser Clubhotel ist aus dem wir nicht herauskommen müssten. Wir sollten mal über Armbändchen nachdenken…

Da unsere Reise weiterhin von viel Regen geprägt ist entschieden wir uns noch für einen Abstecher in die slowenische Hauptstadt Ljubljana die uns mit einer kleinen aber sehr schönen Altstadt überraschte. Und dort gönnten wir uns dann auch die bisher erste Hotelnacht mit Frühstücksbuffet. Jupidu!

Stellplatz Lijak

Und jetzt sind wir nach einem kleinen Abstecher nach Kroatien am Lijak, einem bekannten Fluggebiet, unweit der slowenischen Küste. Und ratet mal, wie das Wetter ist…

Mehr Bilder gibt es  in unserer Bildergallerie zu Slowenien.

Impressionen aus Slowenien