Sonne, Strände, Chai und nette Begegnungen

TÜRKEI TEIL 2 I Westliche Schwarzmeerküste

Je weiter wir in den Osten fahren, desto subtropischer wird das Klima. Supermärkte werden immer kleiner, die lokalen Obst- und Gemüsemärkte dafür umso größer. Englisch spricht nun kaum noch jemand.

Ein großer Pluspunkt an der Art wie wir Reisen wird uns immer bewusster: Wir erfahren, wie sich Gesellschaft und Kultur gemächlich verändert und so wir haben Zeit uns an vieles zu gewöhnen. Der Schafskopf oder Schweinepo im Schaufenster des Metzgers beispielsweise schockiert uns nicht mehr und auch was Plumpsklos angeht sind wir mittlerweile richtige Profis.  

Die vergangenen Wochen haben wir uns an der schönen westlichen Schwarzmeerküste der Türkei entlang geschlängelt. Es gibt viele kleine Fischerbuchten mit hübschen Stränden, saftig grüne Hügel und sehr schöne Ortschaften. Manchmal fühlen wir uns wie an der brasilianischen Küste. Aber das alles wird getoppt von der unglaublichen Gastfreundschaft der Türken, die sicher auch dadurch verstärkt wird, dass viele Türken eine Beziehung zu Deutschland haben und nicht wenige sogar gutes Deutsch sprechen. Da war der alte Mann vom „Camping Hamburg“, der Sebastian gleich zum Raki-trinken einlud, dann aber einfach auf dem Stuhl neben ihm einschlief, das türkisch-deutsche Ehepaar aus „Stuttuttgart“ dessen Hund von einem echten Wolf abstammen solle , Istan der Sebastian zum Fischen mit aufs Meer nahm, der sehr sympathische und über 70 jährige Hamburg-Türke Yahya, der uns einlud bei ihm zu nächtigen und nicht zuletzt war da Ismael, der abenteuerlustige 68jährige Deutschtürke, den wir so einige Tage begleitet haben. Aber dazu komme ich später.  Diese und viele weitere Begegnungen haben unsere Reise durch die Türkei versüßt und sie zu einer unvergesslichen Zeit gemacht. 

Unvergesslich ist auch unser Stellplatz in der Bucht von Kurusasile. Hier standen wir auf einem Felsplateau oberhalb eines kleinen Strandes und hatten eine grandiose Sicht auf den Sonnenuntergang, die Bucht und auf einige Delfine. Von den Sonnenuntergängen dort haben wir uns gleich drei gegönnt ;). Hier war es auch, wo wir das „Stuttuttgart“-türkische Ehepaar trafen, die ihren kleinen Wohnwagen auf der Klippe abgestellt hatten. Er, so erzähle er jedenfalls, hat eine Menge Geld, Häuser und Wohnungen, wohnte 25 Jahre in Stuttgart und ist seit seiner Rente zurück in Antalya. Eine Herzkrankheit habe ihn wachgerüttelt und seitdem sei ihm Geld egal, frische Luft und glückliche Momente in der Natur dafür umso wichtiger. Jedenfalls erklärte er es uns so während er eine Zigarette nach der anderen paffte. Seine Frau teilt diese Ansicht zwar nur sehr bedingt, lud uns aber zu einem wunderbaren Abendessen unter Campern ein. Ein bisschen Protz schimmerte übrigens doch durch, denn der, der das Feuer machte, den Fisch briet und den Tisch deckte war nicht die Frau selbst sondern eine männliche Haushaltshilfe. 

Unsere kleine Traumbucht bei Kurusasile

Nur wenige Kilometer weiter hielt uns die schöne Küste gleich noch einmal ein paar Tage fest. „Lucky Coast“ hieß die süße Bucht auf Google Maps, zu der eine Straße herunterführen sollte. Und tatsächlich gab es eine gute Straße und glücklich waren wir dort allemal.

Hier kam das Kilo kleiner Fische auf den Grill das wir noch in Kurusasile fangfrisch von einem Fischerboot abgekauft hatten. Selbst geputzt uns ausgenommen – was bei locker 50 (!!) Mini-Fischen ein ziemlicher Aufwand war. Nach 2 Tagen gehörten wir zu der örtlichen Fischerfamilie. Sebastian wurde abends am Ärmel gezogen, um den Fischerbooten reinzuhelfen, die Omas kamen und brachten Gurken, Paprika oder Äpfel und mittlerweile hatten wir sogar verstanden, dass der 11 jährige Ahmed nicht unter Vergesslichkeit oder wir an Halluzinationen litten, sondern Mehmet sein Zwillingsbruder war. Und was wir auch verstanden hatten war, dass der Strand hier geschlechtergetrennt war. Bei einem Strandspaziergang am ersten Abend wurde Sebastian ziemlich energisch weggescheucht als wir den Bereich der Frauen betraten, die dort unverschleiert hinter einem großen Felsen saßen. Woher hätten wir das auch wissen sollen…

Die Freude über Sebastians selbst geangelte Minifische, die wir als Gastgeschenk weitergaben, hielt sich in der Fischerfamilie zwar in Grenzen, unglaublich freundlich waren sie dort trotzdem alle. 

Nun wollten wir aber mal wirklich mal ein paar Kilometer machen und hatten eine große Tagesetappe geplant. Zur Mittagspause machten wir einen Strand aus, den wir am Ende allerdings nur zu Fuß erreichen konnten. Und jetzt ratet mal, wie weit wir an diesem „Fahrtag“ tatsächlich kamen… Ja, genau. Wir blieben obwohl wir nur 20 km gefahren waren.

Schon am Strand grinste uns ein alter, großer Mann an der gerade aus dem Wasser kam und dessen wenige Haare sich auf seiner Stirn zu einem drolligen (danke Omi für diesen Wortschatz!) Zipfel zusammentaten. Es war Yahya – der seit über 41 Jahre in Hamburg lebt und seit seiner Rente wieder viel Zeit in dem alten Haus seiner Eltern verbringt. Immer wieder grinst er und sagt „ja, Ja, Ja… chut so (gut so)“. Als seine ca. 40-köpfige Großfamilie allerdings auf den Strand stürmt, Jola von Arm zu Arm gereicht wird und unzählige Fotos von und mit uns gemacht wurden, beschlossen wir zu flüchten. Wir fuhren weiter. Nach 45 Minuten drehen wir aber wieder um. Der alte Yahya hatte uns so gefesselt und nun ärgerten wir uns, seiner Einladung zum gemeinsamen Abendessen nicht gefolgt zu sein. Abends saßen wir zum Chai und Abendbrot zusammen und führten gute Gespräche, die nur durch die Gebetszeit unterbrochen wurden, schliefen bei Ihm auf dem Hof und frühstückten ausgiebig mit ihm und seiner Frau. Von der Großfamilie ließen sich nur wenige blicken.

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