… ENDE

Unser zweiter Versuch, den Balkan zu bereisen


Wir fragen uns bis heute, was dahinter steckt. Schicksal? Glück? Unglück? Wie auch immer… auch unser zweiter Versuch, den Balkan zu bereisen, ging schief. Diesmal kamen wir vom Norden. Hier überquerten wir die Grenze nach Albanien aus Griechenland und schafften es mit Ach und Krach noch in den kleinen Küstenort Himare.

Einige Tage zitterten wir um Herrn Sumsemann, den die Getriebekraft verließ. In der kleinen Wellbechhütte an der Uferpromenade jedenfalls konnte man nichts mehr für ihn tun und die nächst größere Werkstatt war etliche Kilometer weit weg. Es war die Zeit, in der furchtbare Stürme die Mittelmeerküste durchschüttelten, Venedig unter Wasser stand und in Südfrankreich Autos wegschwammen. Riesige Wellen peitschten an den Strand. Es war ungemütlich. Und so schien es auch fast ein wenig wie eine Erlösung, als uns der ADAC mitteilte, dass sie Sumsemann nach Hause abschleppen und uns die Flüge zahlen würden.

Nur einen Tag nach dieser schwerwiegenden Entscheidung fanden wir uns in einem Taxi in die gut 6 Stunden entfernte Hauptstadt Tirana wieder, von wo aus wir einen Flug nach Deutschland nehmen sollten. Da mussten wir erst einmal schucken… Das war es nun also? Das war unsere Reise? Zack, einfach vorbei?

Plan B

Nun waren wir also im Begriff, ein Flugzeug nach Deutschland zu nehmen und wären damit fast 5 Wochen vor geplanter Rückkehr zu Hause. Nix da! Noch aus dem Hotelzimmer in Tirana buchten wir Flüge nach Sri Lanka. Du kannst uns mal, Schicksal!!! 😉

Nach ein paar Tagen im heimeligen Deutschland zogen wir also schon weiter und verbrachten fast einen Monat auf der grünen Insel im indischen Ozean. Diese Geschichte aber gehört nicht mehr zu unserem Roadtrip mit Herrn Sumsemann und so wird sie hier auch nicht erzählt.

Am indischen Ozean macht Jola ihre ersten Schritte

Ein Rückblick

Es ist einiges passiert seit wir in dem kleinen albanischen Küstenort Sumsemann verabschieden mussten und ins Taxi nach Tirana stiegen. Doch nun sind wir wieder vereint und lechzen danach, endlich wieder gemeinsam unterwegs zu sein. Sumsemann allerdings steht noch immer in der Werkstatt – bisher ohne Befund.

Auf unserer 8-monatigen Reise haben wir unglaublich viele Erfahrungen gemacht. Wir haben spüren dürfen, wie unglaublich freundlich die Menschen in Osteuropa und darüber hinaus sind, dass kleine Babys ein echter Türöffner sein können, dass man garnicht so weit reisen muss, um sich in einer fremden Welt wieder zu finden, man überall Hilfe findet, wenn man sie braucht und eine Menge Vorurteile in unserer Welt herrschen. Und nicht zuletzt haben wir gelernt, uns und die Art zu reisen, zu endschleunigen.

Nun sind wir schon ein paar Wochen zu Hause und oft werden wir gefragt, was das beeindruckendste war, welches Land uns am besten gefallen hat und wie es ist, mit einem jungen Baby eine so lange Zeit unterwegs zu sein.
Unsere Antworten fallen merkwürdiger Weise unterschiedlich aus. Je nachdem, welche der 1.000 Geschichten einem gerade in den Sinn kommt. Aber ein paar grundsätzliche Dinge lassen sich schon ganz gut festhalten:

Unser alltäglicher Carawahnsinn
Das Reisen mit Jola – sie war 5 Monate, als wir losfuhren – war sehr viel einfacher als gedacht. Herausfordernder empfanden wir es, einen Haushalt zu führen und gleichzeitig zu reisen. Denn neben den Dingen, die man auf der Reise machen will (Geheimgänge entdecken, mit Leuten schnattern, wandern, Lagerfeuer machen…), sind eben auch die Dinge zu tun, die ein Camperhaushalt so von einem fordert: Wasser auffüllen, tanken, einkaufen, kochen, Tisch decken, abwaschen, Bett machen, Wäsche waschen, aufräumen, Schlafplatz suchen, Navigieren… Es hat fast 4 Monate gedauert, bis wir so etwas wie einen Alltag entwickelt haben. Und dazu gehörte dann eben auch irgendwann der Umgang mit Pannen, die Einhaltung von Krabbelpausen für Jola und das Suchen von Feuerholz.

Unser alltäglicher Carawahnsinn…
Jola 5 Monate bis 1 Jahr

Die zweite Frage, also die nach dem beeindruckendsten Land oder dem, welches uns am besten gefallen hat, ist deutlich schwieriger zu beantworten. Einige sagen, sie können in den Berichten lesen, dass der Iran wohl das beeindruckendste Land war. Das stimmt auch. Der Iran war mit Sicherheit das fremdeste Land und hat uns allein dadurch sehr beeindruckt. Aber da war auch die Türkei, die uns mit ihrer Größe, der landschaftlichen Vielfalt und vor allem der unschlagbaren Gastfreundschaft fast umgehauen hat. Und Rumänien, das Land mit den wunderschönen Bergen, Wäldern und Schluchten. Und das landschaftlich pompöse Georgien, wo jeder einzelne Kilometer spektakulär wirkt. Und Griechenland mit seinem hellblauen Meer. Jedes Land, durch das wir gereist sind, hat seine Eigenheiten und jedes Land war eine Reise wert. Einige – gerade die Balkanländer – sind wir viel zu zügig durchfahren und haben uns fest vorgenommen, einen weiteren Versuch zu starten. Irgendwann.

Es ist schon erstaunlich, wie ewig einem die Zeit vorkam, bevor wir los fuhren, wie unendlich sie wirkte, während wir unterwegs waren und wie schnell sie im Nachhinein doch vorüber ging. Wir hatten eine Zeit unseres Lebens. Wir sind als Familie zusammengewachsen und Profi-Camper geworden. 8 Monate voller Glücksmomente, voller Abenteuer und voller Freude am Leben. In 8 Monaten sind wir durch 14 Länder geknattert, haben auf 12 neuen Sprachen „Hallo“, „Tschüss“ und „langsam, langsam“ gelernt, sind gut 18.000 km gefahren und haben nicht eine schlechte Erfahrung gemacht. Ja, wir sind ganz erfüllt. Und wer weiß, vielleicht folgt irgendwann eine Fortsetzung?!

Eine Bildergalerie „Albanien“ gibt es nicht. Dafür aber eine kleine Galerie unserer schönsten Schlafplätze. 😉